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Kolik beim Pferd vorbeugen – Gaskolik

Durch antibakteriell wirkende, natürliche Futterzusätze können Fehlgärungen verringert und Koliken verhindert werden - hier finden Sie durch welche.

Die Gaskolik ist eine gefürchtete, aber mit entsprechender Vorsorge weitgehend vermeidbare Erkrankung.

Ursache

Hervorgerufen durch Fehlgärungen bildet sich eine große Menge Gas, die zu einer Dehnung des Darms und Schmerzen führt. Im schlimmsten Fall können Magen oder Darm reißen. Eine Bauchfellentzündung ist die Folge, die in der Regel zum Tod führt.

Im akuten Fall hilft bei einer leichten Kolik Bewegung im Schritt und gegebenenfalls Trab, sofern das Pferd diesen anbietet. Tritt keine Besserung ein, sollte zeitnah der Tierarzt gerufen werden. Er muß entscheiden, ob die die Gabe von Schmerzmitteln und Krampflösern ausreicht, oder ob Magensondierung oder eine Blinddarmpunktion zum Ablassen der Gase nötig sind. Hilft das alles nicht, oder tritt in Folge ein Darmverschluss oder eine Darmverdrehung ein, bleibt nur eine Operation.

Vorbeugung

Damit es gar nicht erst soweit kommt, sollte bereits bei ersten Warnsignalen wie häufigen Blähungen (Meteorismus genannt) die Fütterung überprüft und angepasst werden. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Auf langsames Anweiden und die Vermeidung von frischem Brot, welkem Gras oder gammeligen Saftfutter achten die meisten Pferdebesitzer.

Was aber, wenn das Heu im Stall schlecht ist und man keinen Einfluß auf die Qualität hat? In einer Studie der Landwirtschaftskammer NRW (2007) wies das Heu in 60% untersuchten der Betriebe eine hohe bis sehr hohe Keimbelastung auf. Auch abhängig vom Wetter kann die Heuqualität jedes Jahr beträchtlich schwanken. Selbst ein Wechsel des Stalls bringt also nicht unbedingt eine dauerhafte Besserung.

Mittel zur Vorbeugung von Blähungen und Gaskolik

Läßt sich die Futterqualität nicht verbessern, bleibt noch die Möglichkeit den Gärprozeß direkt zu beeinflussen. Hier gibt es mehrere einfache und gut wirksame Mittel.

Anis-Fenchel-Kümmel-Tee

Anis und Fenchel wirken antibakteriell, krampflösend und teilweise antiviral durch den enthaltenen Wirkstoff Anethol, der auch für den charakteristerischen Anis-Geruch verantwortlich ist. Kümmel wirkt entzündungshemmend sowie ebenfalls krampflösend und antibakteriell durch die enthaltenen ätherischen Öle Carvon und Limonen.

Anis-Fenchel-Kümmel-Tee
Anis-Fenchel-Kümmel-Tee

Zur Vorbeugung von Blähungen können täglich 1-2 Esslöffel (ca. 20g) des Anis-Fenchel-Kümmel-Tees direkt ins Futter gemischt werden. Ein Aufkochen mit Wasser ist möglich, aber nicht unbedingt nötig. Die meisten Pferde mögen den Geruch, so daß der Tee auch pur gefressen wird. Gesunde Zähne vorausgesetzt werden die Samen ausreichend aufgeschlüsselt, um ihre Wirkung zu entfalten. Er kann auch dauerhaft gegeben werden.

Erhältlich ist der Tee bei verschiedenen Anbietern, so über Amazon direkt beim Hersteller Alexander Weltecke, der ventalis Apotheke oder eBay zum Preis von ca. 16€ für 1kg einschließlich Versand. Etwas günstiger ist die Bestellung bei der ayvita-Apotheke mit aktuell 11,72€ (wieder lieferbar - Stand 01/2018).

Das entspricht einem Rationspreis von rund 30 Cent oder einem Monatspreis zwischen 8 und 10€ - eine günstige Dauerlösung im Vergleich zu den Tierarztkosten bei einer Kolik.

Kamillentee

Die bekannte krampflösende, antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung von Kamille funktioniert ebenso auch beim Pferd. Verschiedene ätherische Öle wie a-Bisabolol und Matricin, aber auch Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe) und Cumarine sind für die positiven Wirkungen verantwortlich.

Kamillentee Makana
Kamillentee (ganze Blüten), hier von Makana

Möchte man Kamille regelmäßig geben, macht es schon aus Kostengründen Sinn, auf größere Gebinde losen Tees zurückzugreifen. Bis zu 50 g, also einer Handvoll, kann man problemlos täglich verfüttern und direkt ins Futter mischen.

Kamille ist günstig über Amazon von beim-Achterhof für 21€ für 1 kg einschließlich Versand erhältlich. Auf der Amazon-Seite dazu beim Artikel auf den Marketplace-Link "2 neu ab EUR 16,95" klicken - dort ist der günstigere Sparversand direkt vom Hersteller zu finden. Das Produktbild ist nur als Beispiel zu sehen - da die Kamillenblüten so voluminös sind, wird ein sehr viel größerer Papierbeutel geliefert.

Zum ähnlichen Preis gibt es die Blüten auch von Makana über eBay zu 21€ für 1 kg oder 12€ für 500g, jeweils mit Versand.

Oregano

Oregano, zu Deutsch Dost, ist ein seit dem antiken Griechenland bekanntes Mittel gegen Darmbeschwerden und Krämpfe. Seine stark antibakterielle, aber auch antivirale Wirkung erhält es aus den enthaltenen ätherischen Ölen Carvacrol und Thymol.

Oregano

Zwei Esslöffel pro Tag, ca. 10g, können dem Futter dauerhaft beigemischt werden.

Wird außerdem ein Mineralfutter mit Eisen gegeben, sollte die Fütterung allerdings zeitlich getrennt erfolgen, da das Carvacrol mit Eisen in Magen eine Komplexverbindung bildet, die nicht mehr vom Körper aufgenommen werden kann. Langfristig besteht sonst die Möglichkeit eines Eisenmangels.

Größere Mengen Oregano erhält man günstig bei ebay ab ca. 10€ (nur 6€/kg + 4€ Versand) oder in sehr guter Qualität auch über Amazon bei PEnandiTRA (9€/kg, zzgl. Versand).

Grundsätzlich besteht bei Oregano zwar die Möglichkeit, statt der Pflanze nur das extrahierte ätherische Öl zu geben. Das hat allerdings zwei Nachteile: Zum einen hängt die Zusammensetzung und Wirkung des Öls sehr stark von der verwendeten Extraktionsmethode ab (Wasserdampf- oder Ethanolextraktion, siehe weiterführende Literatur unten, Kapitel 2.2.3.9.2, ab S. 42). Zum zweiten ist der Preis durch den zusätzlichen Verarbeitungsaufwand erheblich höher. Es spricht daher nichts dagegen, direkt die Blätter zu geben.

Was sonst noch hilft

Die aufgeführten Mittel sind die wichtigsten, da sie bei hoher Wirksamkeit keine Nebenwirkungen oder Risiken aufweisen, die einer langfristigen Gabe im Wege stehen würden.

Darüber hinaus gibt es jedoch noch eine Vielzahl weiterer Mittel, die bei Darmproblemen eingesetzt werden können: Koriander, Pfefferminze, Kreuzkümmel, Wacholderbeeren, Eibischblätter und viele weitere. Über sie wird in einem folgenen Artikel berichtet.

Literatur

Eine detaillierte Übersicht und Bewertung pflanzlicher Zusatzstoffe bietet die Dissertation Phytogene Zusatzstoffe in der Tierernährung (2007) von Miriam Ehrlinger an der LMU München.

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