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Heubedampfer selber bauen – eine einfache Anleitung

Viele kennen das Problem: Es ist Winter, das eigene Pferd hustet, und das einzige Heu, das zur Verfügung steht, ist so staubig, daß man es lieber nicht verfüttern möchte. Die Lösung fand bereits im Jahr 1994 Werner Balsinger mit seinem WEBA-Heuaufbereiter: Das Heu vor dem Füttern dämpfen, um Staub und Allergene zu binden und die Reizung der Bronchien damit zu verhindern.

In der Folgezeit entstanden auf Basis seiner Idee (und zum Unmut Herrn Balsingers) mehrere kommerzielle Nachbauten. Es tauchten neben aber auch verschiedene weitere Anleitungen zum Eigenbau auf.

Die Einstiegshürden für diejenigen, die die Heubedampfung bei ihrem Pferd einfach erstmal ausprobieren wollen, bleiben dennoch bis heute hoch: Selbst einfachste kommerzielle Modelle kosten ab 200,-€ aufwärts, oder es ist einiges handwerklichen Geschick und Zeit nötig, um eine der der Anleitungen selbst umzusetzen.

Schnell, einfach und günstig - die Einstiegslösung unter 50€

Diese Anleitung soll zeigen, wie man aus nur drei Einzelteilen einen funktionsfähigen Heubedampfer zusammensetzen kann. Es sind keine handwerklichen Fähigkeiten nötig, und die Gesamtkosten betragen unter 50,-€.

Die beschriebene Lösung ist bei mir seit zwei Jahren erfolgreich im Einsatz. Ein späteres Upgrade auf die ausgefeilteren Selbstbau-Modelle, wie die WEBA-Lösung oder das Cavallo-Modell, ist unter Weiterverwendung der vorhandenen Teile jederzeit möglich.

Die Bauteile für den DIY-Heubedampfer

Sie benötigen für den Heubedampfer nur drei Komponenten:

  1. den Dampferzeuger
  2. eine dampfdichten, hizebeständigen Sack, in dem das Heu gedämpft wird
  3. einen Timer zur automatischen Abschaltung

Zur Wahl der einzelnen Komponenten und den Bezugsquellen:

1. Der Dampferzeuger

Der Dampferzeuger: Tapeten-Dampfablöser Wagner W14

Der günstigste Dampferzeuger ist der Wagner W14, der eigentlich zum Tapetenablösen gedacht ist.

Das Gerät ist nicht viel mehr als ein komplett geschlossener Wasserkocher mit Schlauch und Tragegriff: Über die Einfüllöffnung oben können in den druckdichten Behälter bis zu 3,5l Wasser eingefüllt werden. Nach Anschluß an die Steckdose wird das Wasser über eine Heizwendel unten im Gehäuse zum Kochen gebracht. Anschließend gibt das Gerät für bis zu 70 Minuten Dampf über den Schlauch und die für Tapetenentfernung optional aufschraubbare Wanddüse aus.

Erhältlich ist der Wagner W14 über Amazon direkt beim Hersteller Wagner zum Preis von 29,-€ incl. Versand. Etwas teurer ist er in den Baumärkten Hornbach  mit knapp 30,-€ oder Obi mit 32,50€, jeweils ohne Versand (Stand 7/2017).

Es empfiehlt sich aber die Bestellung direkt beim Hersteller über Amazon, da dann die Abwicklung einfacher ist, falls doch mal etwas am Gerät defekt sein sollte.

Es gibt auch noch stärkere Modelle wie z.B. den Wagner W16 für 58,-€ mit etwas größerer Dampfleistung (60g/min statt 50g/min) und größerem Tank von 5 Litern. Da der geringe Leistungsunterschied für das Heubedampfen keine Rolle spielt und dieses ohnehin nicht länger als eine Stunde dauert, ist das kleine Modell W14 aber völlig ausreichend.

2. Der Dampfsack

Dampfhülle für Heubedampfer
Polypropylen-Sack (für Gartenabfälle)

Es gibt unzählige Varianten von Säcken, von denen aber nur die wenigsten für die Anwendung als Heubedampfer-Hülle geeignet sind:

Der Sack muß dicht, stabil und reißfest sein, Temperaturen bis 100°C aushalten und sollte keine Schadstoffe freisetzen.

Hohe Festigkeit bei hohen Temperaturen bietet Polypropylen (PP), aber nicht das öfter verwendete Polyethylen (PE), aus dem die meisten Beutel, Taschen und Müllsäcke hergestellt sind. Hier ist bei 80°C Schluß - zu wenig, um dem Dampf standzuhalten, ohne beschädigt zu werden.

Die für Heubedampfer ebenfalls häufig verwendeten Kunststofftonnen, Eimer und Kisten aus PVC sind zwar grundsätzlich hitzebeständig, können aber gerade beim Erhitzen gesundheitsschädliche Weichmacher freisetzen. Im Polypropylen sind hingegen keine Weichmacher enthalten.

Einen geeigneten Dampfsack gibt es bei Amazon von GardenMate für 8,50€ ohne Versand (mit Prime kostenlos) oder alternativ bei eBay zum Preis von 6€ je Stück zzgl. 5€ Versand.

Es gibt viele ähnliche Produkte, aber man sollte sehr genau prüfen, ob diese alle Anforderungen erfüllen. Das verlinkte Exemplar hat bei mir bei täglicher Benutzung unter rustikalen Einsatzbedingungen im Stall volle eineinhalb Jahre gehalten, bis sich erste Löcher zeigten. Man sollte also mit einer Lebensdauer von ungefähr einem Jahr für den Sack rechnen.

Bei einem Volumen von 270 Litern passen zwei mittelgroße Heunetze mit jeweils ca. 6kg zum Dämpfen in den Sack. Wer noch größere Mengen dämpfen will, findet auch auch Säcke mit 400 Litern oder 500 Litern Volumen für rund 16,-€ bzw. 19,-€ im Zweierpack ohne Versand.

Ich verwende maxi-3 Heunetze von Löwer. Diese sind ebenfalls aus Polypropylen, können die Hitze vertragen, und sind frei von Giftstoffen. Weitere hitzebeständige Heunetze finden sich bei Amazon.

3. Der Timer

Timer: Brennenstuhl MC 120

Der Abschalttimer ist optional, aber dringend zu empfehlen. Der Dampferzeuger Wagner W14 soll zwar einen Überhitzungsschutz enthalten, allerdings ist es schon wegen der Verkalkung nicht anzuraten, das Gerät (womöglich gar unbeaufsichtigt) leerlaufen zu lassen.

Der Timer Brennenstuhl MC 120 ist günstig bei eBay zum Preis von nicht einmal 8,-€ einschließlich Versand erhältlich, bei Amazon ohne Versand für 6,-€.

Aufbau und Verwendungshinweise

Heubedampfer Einzelteile vor Zusammenbau
Die Einzteile des Heubedampfers vor Zusammenbau

Liegen alle Teile bereit, ist der Aufbau ganz einfach:

  1. Heubedampfer Zusammenbau
    Den Schlauch oben in der Mitte zwischen die Heutnetze stecken

    Schwarzen Deckel vom Dampferzeuger öffnen und Wasser bis zur Markierung an der Seite der grauen Unterschale, knapp unterhalb der Verbindung zum gelben Oberteil, einfüllen. Deckel wieder verschließen - ohne viel Kraft, sonst geht die Dichtung mit der Zeit kaputt.

  2. Die Heunetze mit Wasser übergießen oder besprühen, so daß das Heu möglichst gleichmäßig angefeuchtet ist, auch weiter innen.
  3. Die Heunetze nebeneinander in den Sack packen und fest nach unten drücken, so daß sie den Sack ausfüllen.
  4. Dampfschlauch mit dem einen Ende oben in die Mitte zwischen die beiden Netze stecken, das andere am Dampferzeuger anschrauben
    Heubedampfer Timer
    Timer auf 45min programmieren

    Sack oben schließen, so daß nur noch der Schlauch herausschaut. Danach den gesamten Sack auf den Kopf drehen, so daß die Öffnung nach unten zeigt. Da der Dampf nach oben steigt, sollte das Schlauchende nun möglichst tief liegen.

  5. Stromkabel mit Dampferzeuger und Timer verbinden, Timer einstecken und auf 45-50 Minuten stellen. Bei größeren Säcken bis zu 60 Minuten. Darauf achten, daß der Schalter am Timer auf das Uhren-Symbol gestellt ist und nicht auf Dauer-Ein.
  6. Nach Ablauf der Zeit die fertigen Heusäcke entnehmen. Nach einigen Minuten Abkühlung den schwarzen Deckel vom Dampferzeuger öffnen und das restliche Wasser, das nun den ganzen Kalk enthält, ausschütten.
Heubedampfer in Betrieb

Hinweise zum Betrieb

  • Die Aufheizphase des Dampferzeugers dauert je nach Wasser-, Außentemperatur und eingefüllter Wassermenge zwischen 5 und 10 Minuten, was bei der Gesamtdauer berücksichtigt werden muß.
  • Die Durchfeuchtung des Heus vor dem Einfüllen ist wichtig, damit alle Stellen gleichmäßig erhitzt werden. Der Dampf kondensiert an den vorhandenen Wassertropfen und erhitzt mit der dabei freiwerdenden Energie das Heu.
  • Der Sack sollte das Heu möglichst eng umschließen, damit weniger Volumen erhitzt werden muß
  • Je nach Wasserhärte sollte der Dampferzeuger wie ein Wasserkocher  regelmäßig entkalkt werden. Indem man das Gerät nicht ganz leerlaufen läßt, sondern das verbliebene Restwasser ausschüttet, wird die Verkalkung stark verringert.
  • Während des Betriebs läßt sich der Fortschritt gut kontrollieren: Wenn man alles richtig gemacht hat, sollte die Außenseite des Sacks an allen Stellen so warm werden, daß man die Hand nicht lange auflegen kann (>60 °C).

Wie wirkt der Heubedampfer?

Die Wirkungsweise der Heubedampfer ist bislang erst teilweise geklärt. Bekannt ist, daß durch die Befeuchtung allergene Stoffe gebunden werden und dann während des Fressens nicht mehr in die besonders empfindlichen Atemwege des Pferdes eingeatmet, sondern geschluckt werden.

Ein zweiter Effekt ist die Abschwächung allergener Stoffe. Belegt ist, daß die meisten Bakterien und ein Großteil der im Heu enthaltenen Pilze durch die Hitze abgetötet werden (Pasteurisierung, siehe Cavallo-Labortest zweier Heubedampfer). Bestimmte Allergene, zum Beispiel Eiweiße, werden bei diesen Temperaturen inaktiv in Hinblick auf ihr Allergiepotential. Sporen werden hingegen kaum beeinflußt, und auch die abgetöteten Bakterien, Pilze und deren Stoffwechselprodukte bleiben im Heu enthalten. Es ist deshalb unklar, wie groß die Wirkung dieses Effektes ist.

Möglicherweise ist die nachhaltige Staubbindung der Hauptfaktor der Wirkung - denn wenn nichts mehr aus dem Heu in die Atemwege gelangt, kann dort auch keine Reizung stattfinden. Schaut man sich das Heu nach dem Bedampfen an, ist der Unterschied deutlich: Während das einfache Bewässern des Heus zwar einen Teil des Staubes auf der Außenseite der Halme binden kann, werden die Halme selbst jedoch nicht weich. Nach dem Bedampfen ist das Heu dagegen komplett "weichgekocht" wie Gemüse - hier staubt nichts mehr.

Und was sagen die Pferde?

Mein Pferd ist jedesmal begeistert, wenn das dampfende und duftende Heu aus dem Heubedampfer serviert wird - besonders im Winter. Gespitzte Nüstern und Grummeln aus den Nachbarboxen bestätigen das Interesse.

WEBA, Cavallo, Haygain, und Heumaster

Neben dem Eigenbau gibt es noch eine Vielzahl weiterer Eigenbau- und kommerzieller Modelle

WEBA-Heubedampfer

Nach einigen Versuchen mit größeren Behältern kam Herr Weber zum erste populären Modell, der Lösung mit Mülltonne und Tapeten-Dampfablöser:

WEBA-Heubedampfer, Modell von 2009
WEBA-Heubedampfer, Modell von 2009

Die Anleitung zum Modell ist leider nicht mehr erhältlich, aber es finden sich auf der ursprünglichen Seite sich noch einige Bilder, Pressetexte und Prospekte.

Cavallo-Modell

Die Anleitung für das Cavallo Modell - laut Herr Weber ein unveränderter Nachbau seines WEBA -  ist dagegen weiterhin zugänglich, als PDF zum Ausdrucken auch von einer Tierklinik ein der Schweiz zur Verfügung gestellt.

Gitter im Innenraum des Cavallo-Heubedampfers
Gitter im Innenraum des Cavallo-Heubedampfers

Statt des Sacks wird hier eine umgebaute Mülltonne als Dampfbehälter verwendet.

Vorteile gegenüber der Sack-Lösung sind das erheblich größere Volumen und die gleichmäßgere Dämpfung des Heus, besonders im unteren Bereich. Erreicht wird dies durch ein eingesetzes Gitter, was den Bereich darunter zur Dampfausbreitung und als Ablauf freihält.

Nachteile sind der größere Aufwand für das Einsetzen des Gitters (solle rostfrei/Edelstahl sein), der Platzbedarf, und die höheren Kosten. Die günstigste große Mülltonne, die ich hierfür gefunden habe, ist die Sulo 240 Liter mit einem Preis von 60-70€ bei Amazon einschließlich Lieferung. Weitere Probleme sind die aufwendige Reinigung - Reinklettern oder Kippen zum Ausspülen - und das Material Polyethylen (PE), das bei diesen Temperaturen anfängt weich zu werden, so daß sich die Tonne verformen kann. Weichmacher sind außerdem enthalten.

Wer auf dieses Modell umsteigen möchte, kann den Wagner W14 dabei weiterverwenden.

Haygain

Der Haygain als das bekannteste professionelle Gerät hat eine höhere Dampfleistung und einen stabilen, leicht zugängigen Behälter.

Haygain HG600
Haygain HG600

Detailinformationen zum Haygain finden sich im Test von Cavallo.

Die Leistungsfähigkeit des Gerätes ist unbestreitbar, ob die höheren Temperaturen und gleichmäßigere Erhitzung gegenüber den Eigenbau-Varianten jedoch tatsächlich einen therapeutischen Vorteil bei Husten bieten ist nicht erwiesen - insbesondere, falls der Haupteffekt durch die Staubbindung erzielt werden sollte, worin sich die Modelle kaum unterscheiden.

Auch der Preis von 1.750,-€ beim Hersteller über Amazon (Stand 7/2017) schreckt ab, so daß das Gerät eher für den professionellen Bereich oder in größeren Betrieben geeignet erscheint als für Privatanwender.

Es existieren auch noch weitere Modelle: Mit dem "HG-Go Travel" eine Sack-Variante für unterwegs für 1.100,-€ sowie die Mini-Ausführung HG-One für 890,-€ mit einer kleinen Kiste mit nur 170 Litern Volumen.

Zu danken ist Haygain jedoch zu den durchgeführten Studien zur Wirkung von Heubedampfung, die sich in weiten Teilen auch auf die anderen Geräte übertragen lassen.

Heumaster

Gerd Römbke, seit 2009 Distributor des englischen Haygain, vertreibt den Heumaster als Eigenentwicklung.

Heumaster
Heumaster

Der Heumaster ist sehr ähnlich zum Haygain, auch preislich liegt das Gerät in einem ähnlichen Bereich. Die Reinigung soll hier gegenüber dem Haygain nochmal vereinfacht sein. Drei Varianten mit verschiedenen Volumina sind verfügbar: HM 200E / 300E / 600E mit 200 / 300 / 600 Litern zum Preis von knapp 1.500,-€ / 1.900,-€ / 2.500,-€.

Fazit

Heubedampfer gibt es je nach Geschmack und Geldbeutel - von der Minimalvariante für 50,-€ bis zu 2.500,-€ ist alles dabei. Während die Wirkung zumindest im Cavallo-Test ähnlich war, helfen alle bei Husten durch staubiges Heu.

Man sollte sich jedoch klarmachen, daß ein Heubedampfer nicht alle Probleme lösen kann: Vom Schimmel erzeugte Endotoxine, die Vergiftungen hervorrufen können, verbleiben im Heu - auch wenn nichts mehr in den Atemwegen landet. Erster Schritt sollte deshalb immer bleiben, die Heuqualität zu verbessern. Hilft das nicht, sind Heubedampfer eine gute Lösung.

7 Gedanken zu „Heubedampfer selber bauen – eine einfache Anleitung

  1. Helge Bernotat

    Hallo,

    den Artikel, den sie unter http://schimmelblick.de/heubedampfer-selber-bauen-eine-einfache-anleitung/ eingestellt haben finde ich gut. Folgende Anmerkungen hierzu:

    Ob Cavallo oder Römbke: Probeentnahme unter dem Deckel sagt nichts aus über Keimbelastung unten im Ballen bzw. in der Suppe aus entmineralisiertem Wasser, die sich am Boden zwangsläufig bildet und ohne Trennung ins Heu zieht. Wer sich ein Kleinbund mal genauer ansieht, wird feststellen, dass in den einzelnen Rippen "Verklebungen" sein können, die durch Restfeuchtigkeit bei der Mahd gebildet werden. Diese nicht aufzuschütteln bewirkt eine reduzierte Einwirkung. Aus diesen eine Probe ziehen und in der Petri-Schale ist Party.

    Alle Nährstoffe bleiben erhalten: Wasserlösliche Vitamine und Eisen werden reduziert.

    Schimmelsporen liegen nur vor, wenn der Schimmel als adulte Form Sporen bildet. Er betreibt dabei Stoffwechsel, Mykotoxine werden gebildet. Das gehört nicht in den Bedampfer, sondern ausgesondert.

    Falsches Bedampfen birgt Risiken, die man beachten sollte.

    Schöne Grüße

    Helge Bernotat

    http://www.helge-bernotat.de/heubedampfer-selbstbau-oder-turbo-122-c/

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  2. Pingback: Milben Pilze Bakterien – Titel der Website

  3. Michelle Wagner

    Das ist wirklich eine tolle Anleitung. Habe heute leider erfahren, dass mein Pferd eine Heustauballergie entwickelt hat und wusste bis vor ein paar Stunden noch garnicht wie ich damit umgehen soll/kann.

    Da er in einer Gruppe mit zwei weiteren Pferden im Offenstall steht, muss ich jetzt aber große Mengen an Heu bedampfen.

    Wir füttern das Heu normalerweise lose in der Raufe. Meinst du ich kann auch einen 500l Sack mit losem Heu füllen und bedampfen (also ohne Netz) und danach in die Raufe umfüllen? Oder hab ich da grade einen Denkfehler?

    Viele Grüße
    Michelle

    Antworten
    1. André L.

      Hallo Michelle,

      ja, das müßte funktionieren. Das Hauptproblem dürfte sein, den Sack anschließend wieder sauber zu bekommen. Es sollte kein feuchtes Heu drin bleiben, was dann faulen könnte. Entweder hängst Du also den Sack an der Öse in Bodenmitte kopfüber zum Trocknen auf, reinigst ihn gut und tauschst ihn ab und zu aus, oder Du verwendest ein Großraum-Heunetz nur zum Bedampfen, das Du anschließend ausschüttest.

      In jedem Fall solltest Du darauf achten, daß das Heu auch bei dieser größeren Menge überall gleichmäßig warm wird. Also nicht zu feste stopfen, damit sich der Dampf gut verteilen kann, und mit der Hand die Temperatur an der Aussenseite kontrollieren. Es sollte überall so warm werden, daß man die Hand nicht dauerhaft auflegen kann, was mindestens 60°C entspricht. Im Zweifel den Dampferzeuger länger und mit maximaler Füllmenge durchlaufen lassen, beim Wagner W14 sind das 70 Minuten nach Aufheizen.

      Noch etwas zur Heustauballergie: Der Begriff ist etwas mißverständlich, weil er die Erkrankung durch die Ähnlichkeit zur Allergie beim Menschen verdeutlicht.
      Es ist allerdings gar keine individuelle Allergie gegenüber einem bestimmten Stoff, sondern vielmehr eine sich steigernde Überempfindlichkeit (Hyperreagibilität) gegenüber verschiedenen externen Reizen. Im Heu sind es vor allem die Schimmelsporen, die auch in gutem, besonders aber im schlechtem Heu vorkommen und eingeatmet werden.
      Diese und andere zusätzliche Reize (Bakterien, Viren, Ammoniak bei schlechter Lüftung im Stall, ...) führen in der Summe dann zum Erkrankungsbild der Inflammatory Airway Disease, IAD. Je häufiger das vorkommt, und wenn es unbehandelt bleibt, sinkt die Reizschwelle für die Auslösung immer weiter.

      Eine dauerhafte Verbesserung bringt nur die Verringerung der Reize, also einerseites durch das Bedampfen, aber auch durch Umstellung auf Späne oder Offenstallhaltung. Ebenfalls hilft es, wenn das Pferd zusätzlich über das Futter Omega 3-Fettsäuren bekommt, da diese entzündungshemmend wirken. Am einfachsten und günstigsten geht das über Leinöl , welches zu 50-70% aus der Omega 3-Fettsäure a-Linolensäure besteht. Bei eBay kostet ein 5l-Kanister ab 15€.

      Zum Weiterlesen empfehle ich Dir sonst noch die Kurzfassung der aktuellen Empfehungen zur Behandlung von IAD sowie eine sehr gute und fachlich fundierte Beschreibung aus einem Artikel der Pferdeklinik Großostheim bei Innohorse.

      Ich wünsche Deinen Pferden gute Besserung und viel Erfolg beim Bedampfen!

      Viele Grüße
      André

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  4. K. A.

    Hallo!
    Ein super Artikel! Mich würde interessieren, ob jemand Langzeiterfahrung mit der Variante „PVC-Mülltonne“ gemacht hat? Mich schreckt tatsächlich die Tatsache ab, das in den Tonnen Weichmacher sind, die ggf. gesundheitsschädlich sind! Gab es bei irgendjemanden negative Auswirkungen dadurch? Hat vllt. jemand diese Variante mit einer verzinkten Stahlmülltonne gemacht? Wäre das eine bessere Lösung, oder wird dort auch irgendetwas freigesetzt?

    Antworten
    1. André L.

      Hallo, größere Tonnen sind meist nicht aus PVC sondern aus PE oder HDPE (Hart-Polyethylen), das zumindest erheblich weniger Weichmacher als PVC enthält. Konkret herauszufinden ob und wieviel bleibt aber schwierig. Stahlmülltonnen wären sicher eine gute Lösung, allerdings könnte ein Problem werden, daß sie Wärme gut leiten und der Dampf direkt daran kondensiert. Über Erfahrungsberichte würde ich mich auch freuen.

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